Sonntag, 21. August 2011

Liturgie hautnah: Hochzeit im Ruhrgebiet

Hatte heute Nachmittag eine Hochzeit hier im Ruhrgebiet zu orgeln. Hier mal ein kurzer Bericht, er bestätigt alle Klischees:
Zum Einzug gabs auf Wunsch des Brautpaares, mit Bauchschmerzen beim Organisten (wie könnte es dann anders sein?) den Brautchor aus Wagners "Lohengrin". Als Eingangslied "Danke". Kaum einer singt mit. Verwunderlich? Nein, wohl eher nicht.
Nach der üblichen Lesung aus dem Korintherbrief, gabs dieses irische Halleluja von Rufus Wainwright, vorgetragen von einer Solosängerin mit Playback-CD. Nach dem Evangelium nach Matthäus (Salz der Erde) gabs eine recht launige Predigt und die Trauung mit gewollt lustigen Sprüchen. Dem "Publikum" (ja es war Publikum) hats gefallen. Sprüche à la: "Bis der Tod uns scheidet. Aber nur der natürliche ist gemeint" (Muhaha!).
Der Trauung schloss sich wieder per Playback-Solo eine Zeitreise zu den Olympischen Spielen 1984 an - "One moment in time". Drei Fürbitten und zur Gabenbereitung "Laudato si". Keiner singt, war ja klar. Sanctus wurde vergessen. Der Zelebrant hat es geistesgegenwärtig gebetet. Zur Kommunion gabs dann GL 490, warum nicht das zur Gabenbereitung? Das unvermeidliche "Oh happy Day" (wieder im Solo-Playback) nach der Kommunion und zum Schluss noch drei Strophen GL 257, was auch sonst. Noch Fragen?

Achja, Dauer der Feier: 70 Minuten. Da geht sowas, aber wehe man fragt nach einer zweiten Lesung im Sonntagshochamt. Nein, das würde ja zu lange für die Gemeinde dauern, das darf man denen nicht zumuten. Man verzeihe mir meinen Zynismus, aber sowas regt mich auf!

1 Kommentar:

  1. Bekanntlich ist es keinem modernen Menschen zumutbar, mehr als eine Stunde auf einem Fleck zu sitzen... ja gut, man kann auch stehen oder knien, und die Haltung wird auch manchmal geändert, aber wirklich! Überhaupt das ganze Knien! Tun einem ja die Gelenke weh.
    Die Messe darf höchstens 30 Minuten dauern. Wir haben schließlich wichtigeres vor!
    Diese hinterwäldlerischen ritualistischen Katholizisten werden es wohl nie lernen!
    Der Gottesdienst ist ein Dienst, den Gott am Menschen leistet - und da verlangen wir halt heute etwas mehr als früher.
    Sie sind nicht der einzige Zyniker.
    Catocon.

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