Freitag, 25. Mai 2012

Gewohnheiten in der Liturgie

Vor kurzem hatte ich ja schon die Frage nach dem liturgischen Wissen aufgeworfen. Heute beschäftigt mich eine andere Frage. Ausgelöst durch die jährlichen Debatten um die Pfingstsequenz, ist mir wieder eins bewusst geworden: für die Liturgiefeier ist es irgendwie mitentscheidend, wie man in der Jugend geprägt wurde und wie man persönlich empfindet.

Katholiken sind ja traditionsbewusste Gewohnheitstiere, ich zähle mich trotz noch jungen Alters dazu. Irgendwie gehören diese Gewohnheiten ganz entscheidend dazu, ob man eine Liturgie nun "würdig", "schön" oder wie auch immer empfindet. Bestes Beispiel dafür sind immer wieder die Diskussionen um den Termin der Osternacht. Jemand, der von Kindesbeinen an morgens um 5 gegangen ist, tut sich schwer auf einmal abends um 21 Uhr zu gehen und andersherum. Vom Gefühl her stimmt dann was nicht. Und so geht das mit vielen Dingen.

Genauso geht es mit Dingen, die man aus Gewohnheit in der Liturgie so macht, und da komme ich jetzt auf die Sequenz(en). Klar kommt die Sequenz von "sequi" (folgen), und ich weiß auch, dass sie entstanden ist aus dem Jubilus des Halleluja vor dem Evangelium. Diese wunderbare Ausdeutung des "a" während die Prozession zum Ambo zieht, hatte die Sequenzen erst möglich gemacht. Als feierliches Ende des Halleluja-Rufes - als Verkündung der Osterbotschaft im "Victimae paschali laudes" oder im Anrufen und Flehen um den Geist im "Veni sancte spiritus" - direkt vor dem Evangelium hat es auch eine tolle theologische Bedeutung.

Wer aber - so wie ich - die Sequenz nur vor dem Halleluja kennt (so wird sie ja auch an den Kathedralen in der Regel gesungen), der findet auch daran gefallen und stolpert im ersten Moment über eine Verschiebung hinter das Halleluja. Auch für die Stellung zwischen 2. Lesung und Halleluja-Ruf kann man, wenn auch nicht von der Wortbedeutung, eine Berechtigung finden. Als Bedenken der Pfingstbotschaft, ein Moment der Ruhe und Meditation, bevor dann es dann feierlich mit festlichem Vorspiel zum Halleluja und dem Evangelium kommt. Noch dazu, weil heutzutage auf Prozessen vor dem Evangelium ja kaum noch Wert gelegt wird. Und es zu einer Unruhe kommt, weil Priester oder Diakon schon zu Beginn der Sequenz, sänge man sie nach dem Halleluja, am Ambo "warten" (statt mitbeten und -singen) würden.

Will sagen, natürlich gehört die Sequenz dahinter, aber wer an davor gewöhnt ist, dem fällt es schwer. Überhaupt sind Gewohnheiten und persönlichen Empfindungen, so scheint mir, nicht unbedeutend für den Eindruck von Liturgie.

Kommentare:

  1. Über den Weg der Einsicht kann man sich aber auch von Gewohnheiten lösen. Ich fand eine ganze Weile den Termin zur Osternacht morgens sehr schön. Als mir jemand erklärt hat, daß die ganze Feier eine Vigil ist und daher vor dem Einbruch des Morgens abgehalten wird, habe ich das aber auch gut verstanden.

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    1. Hm, den Begriff der "Einsicht" wollte ich auch gerade nennen. Aber Braut des Lammes hat mir das bereits abgenommen ...

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  2. Das mit der Einsicht ist mir sonnenklar. Das hilft auch immer wieder. Gut so, dass es hilft. Aber dennoch ist es ja erstens erstaunlich (oder vielleicht auch nicht), dass Gewohnheiten überhaupt so eine große Rolle spielen und zweitens tut Gewohnheitstieren die Einsicht ja auch sehr weh. Da muss man oft schon ein sehr offenes Herz haben, damit man nach dem Lösen von der Gewohnheit nichts "komisches" feststellt.

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