Montag, 18. Juni 2012

Liturgie hautnah: Maria van Jesse Ommegang 2012

Am vergangenen Wochenende hat es mich also ins benachbarte Ausland verschlagen, genauer gesagt nach Delft, in die alte Universitätsstadt bei Den Haag, berühmt natürlich vor allem durch die Königsgruft in der mächtigen Nieuwe Kerk direkt am großen Marktplatz.


Aber es gibt natürlich auch das "rooms-katholiek" Delft. In Rufweite, nur wenige Meter vom Marktplatz weg, liegt die neogotische ab 1875 gebaute Maria van Jesse-Kerk, ein ganz und gar imposanter Bau, dessen Inneres auch zu überzeugen weiß. Besonderes Augenmerk kann man hier auf die farbenprächtigen und liebevoll gestalteten Buntfenster legen, die auch viele Heilige zeigen. Interessant übrigens, dass der heutige Altar erst 1988 in die Kirche kam. Zitat aus dem kleinen Kirchenführer: "Das neue Liturgiezentrum: 1962 wurde vom Zweiten Vatikankonzil vorgeschrieben dass die Liturgische Feier inmitten und zusammen mit den Gläubigen gefeiert werden soll. Hier in dieser Kirche wurde 1988 diese Vorschrift befolgt. Eine Anpassung an den neugotischen Stil der Kirche wurde nicht beabsichtigt. Jedenfalls sollten der ursprüngliche Hochaltar, die Kommunionsbänke und der Predigtstuhl behalten bleiben." (sic!) Der Hochaltar ist übrigens verziert mit zwei großen, vergoldeten Holzschnitzereien, die zum einen die Hochzeit zu Kana und zum anderen das Brotwunder zeigen.






Mich hat natürlich auch die große, erst vor drei Jahren frisch restaurierte Maarschalkerweerd-Orgel aus dem Jahr 1893 gefallen - ein starkes Instrument. Die mechanische Orgel mit ihren 38 Registern hat einen französisch-romantischen Chrarakter und ist heute wieder in genau der Disposition von 1893 zu hören.


Ihren Namen hat die Kirche, die ursprünglich dem Hl. Josef geweiht war, von der Statue Maria van Jesse (aus dem 15. Jahrhundert).


Einmal im Jahr - immer am Sonntag nach dem 12. Juni - findet der "Maria van Jesse Ommegang" statt, wie ich bei meinem Besuch gelernt habe. Im Kirchenführer steht dazu: "Jedes Jahr wird an dem Sonntag nach dem 12. Juni (Festtags des St. Odulphus) eine Prozession gehalten zu Ehren Mariens als Nachkomme von Jesse - die mittelalterliche Bezeichnung von Isai, dem Vater des Königs Davis." (sic!) Das hatte zur Folge, dass ich statt der erwarteten "normalen" Sonntagsmesse ein Pontifikalamt besuchen konnte, dass der Bischof von Rotterdam, Johannes van den Hende mit uns gefeiert hat. Welch schöner Zufall, dass das genau an diesem Sonntag war.

Zunächst mal zum Motto. Eine moderne Form der Gottesmutter die Verehrung auszudrücken, quasi die Bestnote zu geben und gleichzeitig die aktuellen politisch-wirtschaftlichen Entwicklungen miteinzubeziehen, das schafft man nicht leicht. Ich habe nicht schlecht gestaunt und fand es - als zugegebenermaßen Mottoverächter - irgendwie mindestens mal amüsant, die Prozession und den Tag unter das Motto "Maria triple A!" zu stellen. Davon abgesehen, dass ich Mottos immer noch nicht brauche: ganz nett!

Die kurze Andacht und den Umgang hab ich nicht mitbekommen, das wusste ich ja vorher nicht. Also ging es für mich erst mit der Messe, der "eucharistieviering", los. Als Eingangslied gab es ein auch in Deutschland sehr bekanntes Marienlied, dessen erste Strophe im Niederländischen wie folgt heißt: "Wij groeten u, o Koningin, o Maria, u Moeder vol van teed're min, o Maria. Groet haar, o Cherubijn, prijs haar, o Serafijn, prijst met ons uw Koningin: salve, salve, salve Regina!"

Nach Begrüßung und Schuldbekenntnis folgten Kyrie und Gloria vom Chor gesungen. Zum Kyrie blieben zwar Bischof und Konzelebranten stehen, die Gemeinde hatte aber wieder "Konzertsyndrom", was sich aber zum Gloria änderte. Alle, ja alle, in der Kirche standen das ganze Gloria über. Ob das wohl an dem zarten Hinweis im ausgeteilten Heft "Gloria. Alle staan." lag?

Der Wortgottesdienst - vom Tage - wurde dann auch in voller Länge gefeiert, alles sehr feierlich, ein richtig schönes Erlebnis. Das einzige, was ich nicht verstanden habe, warum die Evangelienprozession so komisch ausfallen musste. Nach dem Halleluja, Messdiener warteten bereits schon am Ambo, kam der Priester mit dem Evangeliar eiligen Schrittes (dass er das Buch nicht unter dem Arm hatte, war schon alles) ohne Musik zum Ambo gestürmt. Aber gut, Korinthenzählerei.

Nach der Predigt gab es das Credo III, das aus voller Kehle mitgesungen wurde, obwohl es ohne Noten im Heft stand. Zu den Fürbitten war vermerkt.: "Voorbede. Allen knielen." Da haben sich aber nur die Wenigsten dran gehalten. Ganz nett eingebunden war dann noch ein kurzer Gruß der Kinder, die eine Kinderkatechese außerhalb der Kirche gehalten hatten und dann zur Gabenbereitung zurückkamen und dann ein kleines Lied gesungen haben. Warum nicht? Zum Sanctus sollte auch gekniet werden. Ist das niederländische Tradition?

Insgesamt wirklich ein feierliches Pontifikalamt. Das hat richtig gut getan. Ich war sehr begeistert. Mit ein paar Niederländisch-Kenntnissen, die ich dankenswerterweise habe, kann man sogar auch alles hervorragend nachvollziehen und dank im Heft angegebener Antworten auch korrekt antworten. Zum Schluss wurde übrigens ein bei Marienpilgern sehr bekanntes Lied gesungen (alle sechs Strophen!). Ich zitiere auch hier nochmal: "Te Lourd' op de bergen verscheeen in een grot, vol glans en vol luister de moeder van God. Ave, ave, ave Maria! Ave, ave, ave Maria!"

Kommentare:

  1. Vielleicht haben die noch das eine oder andere Element aus der alten Liturgie mitgenommen. Jedenfalls fallen in der außerordentlichen Form der römischen Messe alle beim Sanctus auf die Knie.

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  2. Schade, dass Du nicht einen tussenstopp in Amsterdam erwogst! Ich haette Dir gerne die fantastischen Orgeln unserer Hoofdstad vorgestellt, und ein Besuch an Haarlem haette sich auch gelohnt (Cavaillé-Coll u.a.). Aber vielleicht koennen wir das ja spaeter immer noch mal nachholen!

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  3. Um Deine Frage zu beantworten: Ueblicherweise wird zum Sanctus nicht gekniet, allerdings auch oft zur Consecration nicht ;-(. Der Hinweis, dass zum Sanctus allen knielen moeten, hat vielleicht eher mit dem Bischofsbesuch zu tun ;-).

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  4. Amsterdam lag ein bisschen zu weit ab von meinem Weg. Das sich das lohnt gerade auch nach Haarlem zu kommen ist mir bewusst. Wird auf jeden Fall nachgeholt.

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