Donnerstag, 21. November 2013

Blogparade: Lieblingslied im alten Gotteslob

Ich will mich gerne an der Blogparade beteiligen, die Andrea von Bachmichels Haus ausgerufen hat. Gesucht: das Lieblingslied im alten Gotteslob. Ich gebe zu, ich tue mich nicht leicht damit. Es gibt derart viele schöne Lieder. Schön heißt in diesem Fall nicht unbedingt "lieblich", "zu Herzen gehend" oder sonst irgendwie kitschig. Schön kann auch das Gegenteil heißen. Für mich ist ein schönes Lied ein zum Tag passendes, dass für mich die Stimmung des Tages trifft, das Evangelium aufgreift, die Liturgie bereichert.

Da kommen mir spontan gleich einige Beispiele. Wenn an Pfingsten die Gemeinde fleht "Komm, heilger Geist, der Leben schafft, erfülle uns mit deiner Kraft" (GL 241), dann ist so ein Moment gekommen. Gleiches gilt für die Sequenzen, die an Pfingsten (GL 244) und die an Ostern (GL 215). Seit Jahrhunderten ruft die Liturgie direkt vor dem Evangelium ganz erfüllt von der Freude und dem österlichen Glauben an die Auferstehung: "Scimus Christum surrexisse. A mortuis vere. Tu nobis victor. Rex miserere" - "Ja, wir wissen es, der Herr ist auferstanden. Wahrhaft auferstanden von den Toten. Du unser Sieger und König, hab Erbarmen mit uns."
Anderes Beispiel: Advent. Mich beeindruckt immer - gerade an den ersten Tagen - das Lied "Mit Ernst, o Menschenkinder" (GL 113), dass so toll am Text der Heiligen Schrift ist "Macht eben jede Bahn, die Täler all erhöhet...".
Und noch ein drittes, dass Gänsehaut auslösen kann, wenn man singend quasi mit Thomas von Aquin betet (GL 546): "Kann ich nicht wie Thomas schaun die Wunden rot? Bet ich dennoch gläubig: Du, mein Herr und Gott. Tief und tiefer werde dieser Glaube mein, fester lass die Hoffnung, treu die Liebe sein." Das ist so traditionsgeladen wie aktuell.

Genug der langen Vorrede. Ein Lied gibt es, dass bei mir immer, wirklich immer Gänsehaut macht. Es muss daher hier als mein Lieblingslied genannt sein. Schon von Kindheit an war eine Zeit immer mit Musik noch reicher gedeckt als alle anderen Tage: die Weihnachtszeit. Vom süßlichen "O du fröhliche" über das tiefe und zu Herzen gehende "Ich steh an deiner Krippen hier" bis hin zum jubelnden "Menschen, die ihr wart verloren". Ein Lied aber darf niemals fehlen: "Nun freut euch, ihr Christen" - "Adeste fideles" (GL 143) - mein Lieblingslied.
Seit einigen Jahren bin ich ja auch häufiger mal orgelnd unterwegs. Es gibt bei mir keinen Gottesdienst in der Weihnachtszeit, wirklich keinen, nicht mal am Werktag, wo nicht wenigstens eine Strophe vorkommt. Seit drei Jahren habe ich die große Freude, in der Christmette zu spielen. Da bekomme ich während des Spielens eine Gänsehaut, wenn sich aus dem leisen, meditativen Spiel während der Kommunion irgendwann der "Adeste fideles"-Jubel entwickelt und als Dankgesang vier Strophen erklingen, zum Schluss mit allem, was die Orgel zu bieten hat.
Was beeindruckt mich so? Natürlich die Melodie, die an eine Fanfare erinnert. Aber es steckt mehr dahinter. Kein Lied drückt für mich die Weihnachtsfreude so schön aus wie dieses Lied. Nach den schönen, aber doch stilleren Adventswochen der Vorbereitung, kann hier die (Vor-)Freude so richtig losbrechen und alle können in den Jubel der Hirten und Engel miteinstimmen und Gott loben. Aber auch damit wird man dem Lied nicht ganz gerecht. Da sind noch die Worte "Kommt, lasset uns anbeten". Das "Adeste fideles" ist mehr als nur Jubel und Lob, es ist auch die Anbetung, das ungläubige Staunen drin enthalten. Das Lied ruft uns zu: "Ja, komm doch. Geh doch hin zur Krippe. Geh dort hin, wo das größte Geschenk geschenkt wurde. Komm, schau hin und bete an." Wenn ich diese Zeilen schreibe, steigert sich jetzt meine Vorfreude auf die Heilige Nacht schon enorm.

Der mich beeindruckende Text:

Nun freut euch, ihr Christen, singet Jubellieder
und kommet, o kommet nach Bethlehem.
Christus, der Heiland, stieg zu uns hernieder.
Kommt, lasset uns anbeten; Kommt, lasset uns anbeten;
Kommt, lasset uns anbeten den König, den Herrn.

O sehet, die Hirten eilen von den Herden
und suchen das Kind nach des Engels Wort.
Geh'n wir mit ihnen, Friede soll nun werden:
Kommt, lasset uns anbeten; Kommt, lasset uns anbeten;
Kommt, lasset uns anbeten den König, den Herrn.

Der Abglanz des Vaters, Herr der Herren alle,
ist heute erschienen in unserm Fleisch:
Gott ist geboren als ein Kind im Stalle.
Kommt, lasset uns anbeten; Kommt, lasset uns anbeten;
Kommt, lasset uns anbeten den König, den Herrn.

Kommt, singet dem Herren, singt, ihr Engelchöre.
Frohlocket, frohlocket, ihr Seligen.
Himmel und Erde bringen Gott die Ehre:
Kommt, lasset uns anbeten; Kommt, lasset uns anbeten;
Kommt, lasset uns anbeten den König, den Herrn.


Hier natürlich auch noch eine Youtube-Version, Variationen für Orgel:

Kommentare:

  1. Hallo, das ist wirklich ein toller Blogpost - und jetzt spüre ich bei all dem trüben Novemberwetter auch schon eine leise Vorfreude auf Weihnachten.

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  2. Servus, ach ist das herrlich, aber du hast vollkommen Recht. Ich für meinen Teil muss doch zugeben, dass es einen gewissen Unterschied gibt, zwischen den Liedern, die ich gerne spiele, und denen, die ich gerne singe. Eins meiner Lieblingslieder, die man quasi immer spielen/singen kann ist "Ein Danklied sei dem Herrn" in der Version des Kölner Anhangs (881 oder 882, habe gerade kein Gotteslob zur Hand).
    Nun lebe ich ich ja seit über einem Jahr nicht mehr in meinem schönen Heimatbistum, umso mehr freue ich mich, dass es gewisse Lieder aus dem Kölner Anhang dank dem neuen Gotteslobstammteil doch nach Österreich geschafft haben. :-)

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  3. Vielen Dank für diesen ausführlichen Blogpost zur Blogparade. Danke dafür, dass ich 2 neue Lieder kennenlernen durfte. Und am meisten freut mich, dass mein Lieblingsweihnachtslied das Lieblingslied ist. Seit meiner Kindheit ergreift mich dieses Lied am allermeisten.

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