Freitag, 18. Juli 2014

Transparenz und Geheimnis

Zwei Worte sind es, die in den letzten Jahren immer wieder und immer wieder in der Kirche bemüht werden. Nach Missbrauchsskandal und Affäre in Limburg heißt es fortwährend: "Transparenz schaffen" und "Vertrauen gewinnen".
Ein edles Ansinnen, ein hehres Ziel, ein richtiger Ansatz. Die ganz aktuell veröffentlichten Kirchenaustrittszahlen machen es deutlich. Das Bistum Limburg geht gleich ganz in die Offensive und will Vorreiter sein beim Offenlegen des Haushalts.
Soweit so klar oder auch nicht. Dann kommt genau in diese Zeit die Ernennung des neuen Erzbischofs von Köln. Für Köln ein Glücksfall, für Berlin ein Jammer. Ich bin zwiegespalten, freue mich einerseits auf den neuen Kardinal, andererseits finde ich das Zeichen für Berlin schon bedenklich. Auch hier geht es um Transparenz in zweierlei Hinsicht. Einmal Transparenz im Wahlverfahren. Viele forderten Mitsprache, das Domkapitel startete eine Umfrage, wollte "transparenter" agieren können als bei der Wahl von Joachim Kardinal Meisner. Man wollte Vertrauen in das Verfahren schaffen. Und dann, so pfeifen es viele Spatzen von den Dächern, stand der Name Woelki wohl erst auf der Liste, als sie aus Rom zurückkam. Immerhin hat das Domkapitel nicht revoltiert, sondern offensiv den Namen als gute Entscheidung angenommen. Geheimnis und Transparenz liegen hier nah beieinander. Ist es nicht auch toll, dass es diese alte Verfahren gibt, mit Briefen unter höchster Geheimhaltungsstufe, Beratungen, Abstimmungen und Co.?
Und dann noch ein zweites. Die Mediendebatte ist relativ hoch gekocht. In der Mediengesellschaft ist es kaum verhinderbar, dass der Name vor dem Glockengeläut und der offiziellen Bekanntgabe um 12 Uhr an die Öffentlichkeit dringt. domradio.de und katholisch.de haben hierbei unterschiedliche Wege gewählt und sich gegenseitig ihre Argumente öffentlich vorgetragen. Dürfen nun kirchliche Medien schon vor dem offiziellen Termin den Namen verkünden, wenn es alle anderen tun? Auch hier stellt sich die gleiche Frage: wo ist eigentlich das Problem? Macht nicht gerade dieser Reiz der öffentlichen Bekanntgabe am jeweiligen Ort und in Rom zeitgleich um 12 Uhr das Besondere aus? Natürlich wird es langweiliger, wenn alle den Namen kennen. Aber man denke nur einmal drei Jahre zurück, als Rainer Maria Woelki zum Erzbischof von Berlin ernannt wurde. Da haben wirklich alle still gehalten und die Sensation um 12 Uhr war umso größer. Vielleicht sollte man in Zukunft alldiejenigen, auch weltlichen Beteiligten in den Landesregierungen um mehr Gespür bitten und wirklich versuchen, das Geheimnis hochzuhalten? Schwer, fast unrealitisch erscheint das und doch wäre es schön. Ich finde, ein bisschen Geheimnis tut einer noch so transparenten Kirche auch ganz gut.

Kommentare:

  1. Das Preussenkonkordat sieht bekanntlich vor, daß bei Erledigung eines bischöflichen Stuhls das Domkapitel und ALLE Bischöfe in Preußen Listen mit geeigneten Kandidaten einreichen. Zu „Preußen“ gehören die Erzbistümer Berlin, Hamburg, Köln, Paderborn mit ihren Suffraganbistümern.
    Da kommt also ein ziemlicher Stapel an Listen zusammen. Wie lang die Listen sein sollen ist nirgends festgelegt. Das Kölner Domkapitel hatte für sich entschieden nur drei Namen auf die Liste zu schreiben. Das Domkapitel hätte auch mehr Namen drauf schreiben können.

    Ist es wirklich so schwer vorstellbar, daß Erzbischof Rainer-Maria auf einer der Listen gestanden hat?
    Jeder der Listen ist doch wohl gleichwertig. Es wird (in den Medien) immer so getan, als sei die Liste des Domkapitels die wichtigste Liste. Teilweise wird sogar so getan, als gäbe es nur diese eine Liste. Zudem wird so getan, als müsse sich der Papst an die Listen halten.

    Zur Transparenz:
    Wie soll man sich nun „Transparenz im Wahlverfahren“ vorstellen?
    Soll man alle diese Listen veröffentlichen?
    Was würde das bei den Gläubigen bewirken, wenn sie lesen und sehen, wer wen vorgeschlagen hat?
    Würde das nicht erst richtig polarisieren?
    Würden dann nicht im Vorfeld schon einige Personen in der Öffentlichkeit „verbrannt“?

    Von derlei „Transparenz“ halte ich gar nichts!


    Übrigens steht in der Bibel nicht: „seid in allem transparent“ und es steht dort auch nicht „schafft Vertrauen“.
    Darin stehen aber Worte wie: „Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

    Ups!
    Das ist ja Mission…
    *grusel*
    *pfui*
    Das geht doch gar nicht… Da sind wir lieber transparent, lullen die Leute ein, schaffen Vertrauen (in wen und was eigentlich)…

    AntwortenLöschen
  2. Gerade Bischofsernennungen und noch vielmehr die Wahl des Papstes sind doch die Intransparenz, die den Reiz an der katholischen Kirche ausmacht!

    AntwortenLöschen